Weitere Steuererleichterungen aufgrund Coronakrise (mit Merkblatt)

Oktober 5, 2020

Die Bundesregierung hat sich im Juni auf ein zweites Gesetz zur Umsetzung steuerlicher
Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona Krise verständigt. Ziel ist es, die Konjunktur wieder
zu stärken.

Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer von 7 auf 5 % bzw. von 19 auf 16 % ist eine der zentralen Maßnahmen des Gesetzes. Während die Senkung der MwSt. bereits seit dem 1.7.2020 zu beachten ist, hält das Gesetz noch weitere Erleichterungen bereit, die Auswirkungen auf das gesamte Steuerjahr haben. Zu diesen Maßnahmen zählt die vorübergehende Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für Abnutzung (AfA) bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. Um einen Anreiz für Investitionen zu schaffen, kann die aktuell genutzte AfA für Anschaffungen zwischen 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2022 um einen Faktor von 2,5 erhöht werden. Insgesamt ist die Abschreibung auf maximal 25 % des Anschaffungswertes pro Jahr beschränkt. Eventuell in Anspruch genommene Sonderabschreibungen können auch weiterhin genutzt werden.

Investitionsabzugsbeträge

Eine weitere Neuerung gilt bei nach § 7g EStG gebildeten Investitionsabzugsbeträgen. Sofern die Fristen zur Verwendung derselben in 2020 auslaufen würden, sieht das Gesetz eine Verlängerung um ein Jahr vor. Damit wird Unternehmen die Chance gegeben, ursprünglich geplante Investitionen hinauszuzögern. Ohne die Verlängerung wären Unternehmen nach Ablauf der ursprünglichen Frist dazu gezwungen, entweder doch vorher zu investieren oder aber den Investitionsabzugsbetrag steuererhöhend aufzulösen und zu verzinsen.

Verwendung von Reinvestitionsrücklagen

Ebenfalls eine Fristverlängerung wurde für die Verwendung von Reinvestitionsrücklagen beschlossen. Eine Reinvestitionsrücklage ermöglicht es, Gewinne aus der Veräußerung bestimmter Wirtschaftsgüter steuerfrei auf Reinvestitionsgüter zu übertragen. Damit wird eine Reinvestition von Kapital begünstigt, allerdings muss die Anschaffung auch innerhalb bestimmter Fristen erfolgen. Ist am Schluss eines nach dem 29.2.2020 und vor dem 1.1.2021 endenden Wirtschaftsjahres noch eine Reinvestitionsrücklage vorhanden und hätte bis dahin eine Investition getätigt worden sein, muss die Rücklage nicht gewinnerhöhend aufgelöst werden. In diesen Fällen läuft die Frist erst am Ende des darauffolgenden Wirtschaftsjahres ab.

Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Eine Erleichterung gibt es auch bei Einkünften aus Gewerbebetrieb. Die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer erfolgte bisher nur bis zu einem Faktor von 3,8. Dieser wird jetzt auf 4,0 angehoben. Hierdurch kommt es bis zu einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 400 (bisher 380) zu einer vollständigen Entlastung von der Gewerbesteuer. Liegt der Hebesatz jedoch über 400, gelingt dies nicht. Gewerbesteuerpflichtige können auch von einer Anhebung des Freibetrags für die Hinzurechnungstatbestände von 100.000 € auf 200.000 € profitieren. Hierfür muss der bisherige Freibetrag von 100.000 € jedoch erst einmal überschritten sein.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende und Kindergeldzuschlag

Erwähnenswert sind auch noch der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende sowie der Kindergeldzuschlag, welche die Regierung im Zuge der Corona-Steuererleichterungen erhöht hat. Die Corona-Krise hat gerade bei Alleinerziehenden den Aufwand für die Kinderbetreuung nochmals erhöht, vor allem finanziell. Ihr Steuerfreibetrag wird deshalb für 2 Jahre von 1.908 € auf 4.008 € angehoben und damit mehr als verdoppelt. Der Erhöhungsbeitrag für jedes weitere Kind bleibt unverändert bei 240 €. Den einmaligen Kindergeldbonus von 300 € erhält grundsätzlich jede Familie, die im Jahr 2020 mindestens einen Monat lang einen Anspruch auf Kindergeld hat. Der Bonus wird jedoch nach Abgabe der Steuererklärung mit dem Kinderfreibetrag gegengerechnet, so dass am Ende nur die weniger gut verdienenden Familien von dem Bonus profitieren.

Merkblatt Corona,- Konjunkturpaket 2020

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